Beschreibung
Als 15-Jähriger wird Jean Jülich von der Gestapo gefoltert. Er überlebt die NS-Haft. Sein Widerstand wird erst Jahrzehnte später anerkannt. Er stirbt am 19.10.2011.
In diesem Zeitzeichen erzählt Wolfgang Meyer:
- wie Jean Jülich als Kind die Verhaftung seines Vaters durch die Gestapo erlebt,
- warum er sich 1942 der Jugendgruppe der Edelweißpiraten anschließt,
- warum die Aktivitäten der Edelweißpiraten und anderer Jugendbünde von den Nazis als offener Aufstand gesehen werden,
- dass Jean Jülich und die Edelweißpiraten erst 2003 als politische Widerstandskämpfer anerkannt werden.
Äußeres Zeichen der "Edelweißpiraten" sind karierte Hemden, Halstuch, kurze Hosen und weiße Kniestrümpfe, dazu eine Edelweiß-Anstecknadel. Politische Motive spielen zunächst keine Rolle. Man will "anders sein als die Hitlerjugend".
Im Herbst 1944 bekommen die Jugendlichen Kontakt zu Hans Steinbrück, den die Edelweißpiraten "Bombenhans" nennen. Als KZ-Häftling muss Steinbrück unter Todesgefahr Blindgänger entschärfen und kann fliehen.
Steinbrück will die Jugendlichen für einen gefährlichen Anschlag gewinnen. Doch dazu kommt es nicht mehr. Die Gruppe fliegt Anfang Oktober 1944 auf. Steinbrück wird verhaftet. Ebenso der 16-jährige Barthel Schink, Jülichs bester Freund. Schink wird solange gefoltert, bis er Jean Jülich verrät.
Die Gruppe um den "Bombenhans" wird öffentlich an einem Bahndamm von der Gestapo gehängt. Ohne Gerichtsverfahren. Insgesamt 13 Menschen sterben, darunter auch Bartel Schink. Mehr als 400 Schaulustige stehen dabei.
Jean Jülich bleibt ohne Urteil in Haft. Nach Unterbringung in mehreren Zuchthäusern kommt er zuletzt ins Jugendgefängnis Rockenberg in Hessen. Ende März 1945 wird Jülich freigelassen.
Das sind unsere wichtigsten Quellen:
- Jean Jülich: Kohldampf, Knast un Kamelle. Ein Edelweißpirat erzählt aus seinem Leben. Köln 2003
- Jan Krauthäuser, Doris Werheid, Jörg Seyffarth (Hrsg.): Gefährliche Lieder. Köln 2010
- Detlev J. Peukert: Die Edelweißpiraten. Protestbewegung jugendlicher Arbeiter im "Dritten Reich". Eine Dokumentation. Köln 1988
- Arno Klönne: Jugendliche Opposition im "Dritten Reich". 2. Auflage. Landeszentrale für politische Bildung. Erfurt 2013
- Alexander Goeb: Er war sechzehn, als man ihn hängte. Das kurze Leben des Widerstandskämpfers Bartholomäus Schink. Reinbek 2001
Weiterführende Links:
- Planet Wissen: Widerstandskreis "Rote Kapelle"
- Planet Wissen: Die Weiße Rose
Hörtipp:
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Die Macherin und der Macher hinter diesem Zeitzeichen:
Autor: Wolfgang Meyer
Redaktion: Sefa Inci Suvak





